Diggs Nightcrawler

(Artikel)
Joshua Peters, 16. August 2012

Diggs Nightcrawler

Film Noir in Library City

Wieder ich, wieder Sony, wieder im leider nur in den Präsentationshallen klimatisierten Radieschen - damit ist das Radisson Blu Hotel gemeint, wer's nicht weiß. Diesmal aber ein etwas freundlicheres Spiel, als das böse Schießspiel Dust 514, nämlich Diggs Nightcrawler, welches für Sonys neues Wonderbook kommen wird.


Um noch mal schnell allen das Wonderbook ins Gedächtnis zu rufen: Sony stellte auf der E3 ein Augmented-Reality-Buch vor, welches mit dem PlayStation Eye funktioniert. Dabei registriert das Eye das Buch und im Fernseher wird es dann mit Leben gefüllt. Genutzt werden soll das Buch hauptsächlich für Lernmedien und Ähnliches. Oder eben, wie bei Diggs Nightcrawler, für ein Adventure.
Diggs ist ein Bücherwurm und lebt in der Library City, einer Stadt fast komplett aus Büchern zusammen mit ein paar Tischlampen und allem, was man eben in einer Bibliothek oder einem Arbeitszimmer so finden kann, bestehend. Bewohnt wird die Stadt von allerlei Charakteren aus bekannter Literatur. Viel kommt hierbei aus Märchen. So sind die Polizisten die drei kleinen Schweinchen und der Bürgermeister ist Humpty Dumpty. Nur unser Protagonist – was eigentlich falsch ist, aber dazu komme ich gleich – ist ein unbekannter Bücherwurm mit einem Detektivbüro. Und mit Bücherwurm meine ich nicht einen bebrillten Jungen, der viel liest, sondern das Tier. Dieser wird relativ schnell eines Mordes beschuldigt und zwar heißt es, er habe den Bürgermeister von einer Mauer gestoßen und getötet. Nun ist es an dem Spieler, dem eigentlichen Protagonisten des Spiels. Denn Diggs ist sich der Anwesenheit des Spielers voll und ganz bewusst und auch die anderen Bewohner scheinen von einem zu wissen. Also soll man dem Detektiv dabei zu helfen seine Unschuld zu beweisen. Als so große Person ist man dazu vorzüglich geeignet, besonders wenn man bedenkt, dass alles in einem Buch passiert.


Dieses kann man als Spieler nämlich nicht nur angucken und ab und zu mal umblättern, sondern auch hochheben, neigen und leicht klappen. So kann man z.B. ein Kabel, welches von einem Fenster zu einem Laternenpfahl reicht, per Klappen des Buches nach unten hängen lassen und dann wieder stramm ziehen, indem das Buch wieder gerade hingelegt wird. Und schon wurde Diggs in ein Haus bugsiert. Das Neigen des Buches wurde am Beispiel einer Straßenlaterne gezeigt, welche je nach Neigung andere Areale beleuchtete. Wenn man alle Rätsel auf einer Seite gelöst hat, blättert man wie in einem echten Buch um, damit man erfährt, wie es weiter geht. Hat man noch Dinge auf der vorherigen Seite zu erledigen, weist einen der Bücherwurm darauf hin und man muss zurückblättern. Ist ein Kapitel geschafft, klappt man das Buch zu und macht es für das nächste wieder auf.
Neben den offensichtlichen Interaktionen mit dem Wonderbook benötigt man auch noch einen Move-Controller, der dann z.B. zur Lupe wird oder so. Gameplaymäßig war es das dann soweit auch bisher schon, allerdings ist das Spiel auch für eine Zielgruppe des Alters 7-11 bestimmt, ich denke also, dass das soweit schon klar geht – wobei es bei dem Spiel natürlich sowieso hauptsächlich um die Geschichte geht. Wie in einem echten Buch auch.


Und die Geschichte scheint wirklich nett zu sein, selbst wenn sie nicht so tief gehen sollte, so ist sie mit sehr viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt und erschafft eine dichte Film-Noir-Atmosphäre, die aber trotzdem kindgerecht ist, obwohl das Genre ja eines ist, was sonst viele erwachsene Themen enthält. Außerdem haben sie sich viel Mühe dabei gemacht Diggs Nightcrawler einen glaubhaften Charakter zu geben und ihm Leben einzuhauchen. So vertraut er dem Spieler anfänglich nur sehr wiederwillig und die Freundschaft muss erst wachsen. Dadurch, dass alle anderen Chars auch schon aus sehr bekannten Literaturvorlagen stammen, hebt sich unser Wurm auch noch weiter hervor und präsentiert seinen ganz eigenen Charakter. Witzig ist auch, dass Personen eingebaut wurden, die irgendwie von der Vorlage abweichen, wie z.B. Robin the Hood, bei dem man schon am Namen merkt, dass irgendwas nicht stimmt. Er ist halt ein Meisterdieb, der von den Armen klaut.

Es gibt also viel zu entdecken in dem Spiel und je mehr man die Vorlagen und Referenzen versteht, desto mehr Spaß kann man mit dem Spiel haben. Somit ist es also nicht nur was für die Kleinen, sondern auch für Muddi und Vaddr, welche vielleicht nicht selber Spielen, aber den Kindern vielleicht über die Schulter schauen und sich an der liebevoll designten Welt und den Referenzen erfreuen können. Mein Fazit wäre in diesem Fall: Hätte ich Kinder in dem Alter, würde ich ihnen das Spiel auf jeden Fall kaufen, auch wenn ich dem Wonderbook erst noch etwas skeptisch gegenübertrat und es auch immer noch tue, aber wenn das alles so klappt, wie es geplant ist, dann wird es wohl einer der Hauptgründe werden, das Wonderbook zu kaufen, so wie Dance Central seinerzeit für die Kinect.

Auch Ihr - Jozu

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